Inszenierung

Max Frischs Stück „Biedermann und die Brandstifter“ hat auch Jahre nach der Uraufführung nichts an Gegenwartsbezug eingebüsst. 

Man kennt diesen Herrn Biedermann, diese politische Parabel rechnete damals, 1958, noch mit der Blindheit des deutschen Volkes ab, dem Hitler und Konsorten genau gesagt hatten, was sie vorhatten – und das dennoch kollektiv ins Verderben rannte. Sie konnten es ja nicht glauben. Und dachten jedenfalls, es würde schon nicht so schlimm werden. Am Ende haben sie, so wie Herr Biedermann bei Frisch, den Brandstiftern noch die Zündhölzer in die Hand gegeben. Frischs Burleske bietet mit seinem einfachen Aufbau, dem bitterbösen Humor, der Zeitlosigkeit des Sujets grosse Popularität. Und durch die historische Parallele zu Hitlers Machtergreifung, erscheint die Parabel angesichts neonazistischer Umtriebe erschreckend aktuell. Später galt es als Anklage gegen den Terrorismus. Jedes Jahrzehnt hat seine Deutung. Denn Biedermann, das sind wir alle mehr oder weniger stark. Gemeint sind damit Bequemlichkeit und die Angst, etwas zu unternehmen, egal ob gegen eine Gefahr oder die Mächtigen. 

War nun Max Frisch ein Moralist? Und wenn, dann nicht um zu verurteilen, sondern um ein Licht auf Situationen zu werfen und uns die Augen zu öffnen. Er tat dies vor allem dort, wo er glaubte, die Mächtigen würden nur die Zeit anhalten. 

Was nämlich trieb den Architekten und Schriftsteller aus Zürich um? Mit einem Wort: Eine grosse Sensibilität für eine Wohlstandsgesellschaft, die drauf und dran ist, sich ihres Sinnes zu entleeren und zu erstarren.

Frisch entlarvt eine Geisteshaltung, die dem Terror zum Erfolg verhilft. Es zeigt (auch unsere) Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die sich überhaupt nicht tarnen und von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen. Das Stück ist ein Aufruf zur Zivilcourage 

Wir müssen uns fragen, welche Dinge passieren Heute in unserer Welt und inwieweit verschliessen wir wieder unser Augen, Ohren, Mund, obwohl in den Mainstreammedien und in der Politik ganz offen darüber geredet wird. 

Im Mittelpunkt des künstlerischen Interesses steht der Einzelne, das Individuum mit seinem Identitätsproblem, seiner Selbstentfremdung und seiner zwiespältigen gesellschaftlichen Bindung Das ist eine grosse Herausforderung für die Protagnisten der Dachschadengesellschaft. Sich dieser Verantwortung durch das Stück bewusst zu werden und zu stellen, ohne auf der Bühne zu moralisieren. Als das Schweizer Publikum das Stück zunächst als reine Warnung vor dem Kommunismus auffasste, fühlte Frisch sich missverstanden. Für die deutsche Uraufführung fügte er daher ein „Nachspiel“ hinzu, das nun als Warnung vor dem National-sozialismus verstanden und später wieder gestrichen wurde. Das gestrichene „Nachspiel“, spielt in der Inszenierung der Dachschadengesellschaft eine wichtige Schlüsselrolle. Wir spitzen mit dem Nachspiel die Situation so zu, um zu zeigen dass wir Menschen selbst bei derartiger Entlarvung (Die Hölle persönlich), trotzdem ins Unglück laufen. Herr Biedermann erhält eine ganz konkrete Chance, dass unweigerliche Schicksal der Brandstiftung zu beenden und das Ruder zu seinem Gunsten und damit für alle anderen in der Stadt herumzureissen. Die DSG platziert das Nachspiel in die Mitte des Stückes, vor der Pause. Biedermann, seine Frau und das Dienstmädchen Anna landen direkt in der Hölle, der Teufel und sein Beelzebub enttarnt als seine Untermieter Eisenring und Schmitz, machen unmissverständlich klar wer sie sind und zeigen was passieren wird. So erwacht er nach der Pause, aus dem Trace ähnlichen Traum, um nun gewappnet zu sein, alles besser zu machen und tappt trotzdem in die Falle. Er schafft es nicht sich zu erinnern und dadurch über sein Schatten zu springen. Der Teufel und Beelzebub vertraut hingegen auf die Spiessbürgerlichkeit, Feigheit und den Opportunismus der Menschheit, respektive des Herrn Biedermanns.