Brandgefährliches Lehrstück

Biedermann und die Brandstifter - eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen.

Das Stück bietet nicht nur durch Wortwitz, Ironie und virtuoses Spiel beste Unterhaltung, sondern stellt angesichts physischer Bedrohung durch „Brandstifter“ die finale und irritierende Frage:

 „Und was hättet ihr getan? – Und wann?“

Fragen so zu stellen, dass die Zuschauer fortan ohne eine eigene Antwort nicht mehr leben können - darin sah Max Frisch seine Aufgabe als Stückeschreiber. In diesem Sinn ist sein „Biedermann und die Brandstifter“ auch als „Lehrstück ohne Lehre“ untertitelt: Es soll keine fertige Antwort liefern, sondern mit den richtigen Fragen selbständiges Denken anregen.

„Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand“ Dieses Zitat aus „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch ist so wahr, dass es wahrer nicht mehr geht.

Die Dachschadengesellschaft stellte sich dem Rätsel des selbstzufriedenen Spießbürgers Gottlieb Biedermann. Dieser befindet sich in schlimmen Zeiten.

Ringsherum werden die Häuser in Brand gesetzt und kein Mensch traut dem anderen mehr über den Weg. Biedermann ist Fabrikant, ordentlich, pflichtbewusst, „wirklich eine Seele von Mensch“ und wünscht sich nichts sehnlicher als ein bisschen Frieden und Ruhe - zumindest unterm eigenen Dach. Deshalb gibt er sich freundlich und hilft wo er kann: Auch diesen bemitleidenswerten Gestalten, die sich auf seinem Dachboden eingenistet haben, um dort Benzinfässer und Zündschnüre zu lagern. „Sie versprechen es mir aber“, versichert sich der gute Biedermann lieber noch einmal, „sie sind wirklich keine Brandstifter?“