Wolfgang Borchert

(geb. 20. Mai 1921 in Hamburg; gest. 20. November 1947 in Basel, Schweiz)

Das Leben Wolfgang Borcherts war kurz und unglücklich. 1921 als Sohn eines Volksschullehrers und einer Schriftstellerin in Hamburg geboren, begann er eine Buchhändlerlehre, nahm Schauspielunterricht und verfasste Gedichte. Im Juli 1941 wurde er als Panzergrenadier eingezogen. Auf den Kasernenhofdrill reagierte er mit ohnmächtiger Erbitterung, und den Einsatz im Winterkrieg vor Moskau erlebte er als grauenvolle Groteske. Unter dem Verdacht, sich selbst eine Verletzung beigebracht zu haben, wurde er inhaftiert und entging knapp der Todesstrafe. Wegen kritischer Äusserungen der „Zersetzung der Wehrkraft“ angeklagt, kam er erneut ins Gefängnis und wurde vorzeitig zur „Feindbewährung“ entlassen. Er nahm an heftigen Kämpfen teil, erkrankte unheilbar an Gelbsucht und wurde in das Seuchenlazarett von Smolensk überführt. Kurz vor der Entlassung aus dem Wehrdienst wurde er wegen einer Goebbels-Parodie, welche er vor Kameraden zum Besten gab, erneut verhaftet. Im Gefängnis von Berlin-Moabit sass er eine fast neunmonatige Untersuchungshaft ab und wurde schliesslich an die Westfront geschickt. Bei Frankfurt am Main geriet er in französische Kriegsgefangenschaft, entfloh jedoch und erreichte nach langen Fussmärschen Hamburg. Dort wandte er sich, obwohl schwer krank, sogleich wieder der  Theaterarbeit zu. Zwischen Jahresbeginn und Ostern 1946 musste er hospitalisiert werden. In kurzer Zeit entstanden Erzählungen und Prosaskizzen, darunter der Text „Die Hundeblume“, in dem Borchert seinen Berliner Gefängnisaufenthalt verarbeitete. Und es entstand, in wenigen Tagen niedergeschrieben, sein wichtigstes und erfolgreichstes Werk: „Draussen vor der Tür“.

„Sie haben noch viel zu tun“

Im September 1947 ermöglichten Freunde dem Schriftsteller einen Kuraufenthalt in Basel. Doch dem Todkranken war nicht mehr zu helfen. Er erfuhr noch von der günstigen Aufnahme seines Stücks in Deutschland, und er erhielt einen aufmunternden Brief Carl Zuckmayers: „Ihre Welt ist wirklich bis ins Unheimliche, Ihr Talent ist echt. Ich schreibe nicht oft solche Briefe, aber ich muss Ihnen das sagen und hoffe, dass es Sie freut. Werden Sie nur gesund – Sie haben noch viel zu tun.“ Die Hoffnung erfüllte sich nicht.

Er starb einen Tag nachdem die Hamburger Kammerspiele das Stück uraufgeführt hatten am 20. November 1947 im Clara-Spital zu Basel. Er wurde nur 26 Jahre alt.

 
Herr Kolpert