Neues Terrain erobern – absurdes Theater

Das Bewusstsein ihrer Lage unterscheidet Hamm und Clov von den beiden Alten und von der Vergangenheit. Sie wissen, dass sie so gut wie tot sind (Hamm: "Diese Nacht habe ich in meine Brust gesehen. Darin war eine kleine Wunde." Clov: "Du hast dein Herz gesehen." Hamm: "Nein, es lebte"), und sie wissen, dass sie nicht sterben können (Hamm: "Warum tötest du mich nicht?" Clov: "Ich weiß nicht, wie der Speiseschrank aufgeht."). Ausgestorben, bewegungslos, trüb wie der Innenraum ist auch die Aussenwelt, die Clov auf Befehl seines Herrn ab und zu durchs Fenster mit dem Fernrohr beobachtet. "Alles ist aus." Nirgends ist ausgesprochen, ob es durch eine katastrophale Zerstörung oder durch eine katastrophale Entwicklung dazu gekommen ist...

so liesst sich das Stück „Endspiel“ von S. Beckett

Wenn der geneigte Zuschauer einen - dramaturgischer Faden - sucht , wird er ihn in diesem Stück nicht finden und das ist absolut Absurd, aber gewollt.

Also überlegten sich die vier Darsteller, sowie die Regie – und Regieassistenz der DSG, wie sie einen dramaturgischen Faden spinnen könnten. Und so, liesst sich nun die andere Geschichte vom Ende:

Die Beziehung zwischen Sohn und Vater, Clov und Hamm, besteht auf Hass und auf versteckter Liebe. Hamms Eltern haben ihre Beine bei einem Fahrradunfall verloren. Hamm hasst seine "Erzeuger", wie auch sie ihn hassen. Nell, die Mutter, ermutigt ihren Enkel Clov immer wieder heimlich wegzugehen, wohl wissend, dass dies auch ihren Tod bedeuten würde. Clov hasst Hamm und möchte ihn verlassen, aber er gehorcht den Anweisungen Hamms. Er bringt nicht die Kraft auf, seinen tyrannischen Vater zu verlassen. Darin besteht die dramatische Spannung der Inszenierung der DSG: Wenn Clov Hamm verlässt, muss dieser sterben, da Clov der einzige Überlebende ist, der ihn betreuen kann. So ist Hamm abhängig von Clov, was Clov in gewisser Weise triumphieren lässt. Wurde er doch von seinem Vater nie ernst und wahrgenommen. Trotzdem quält sich Clov in diesem Dilemma, während Hamm von Schuldgefühlen heimgesucht wird. Hamm wirkt kindlich und verwahrlost, Clov vernünftig und wahnhaft ordentlich. Hamm sieht die Welt durch die Augen von Clov und Clov mit dem Fernrohr durch die beiden Fensterchen die Aussenwelt, auf der einen Seite die Landschaft, auf der anderen Seite das Meer. Was alle drei aber nicht wissen und nur Clov vorbehalten ist, ist dass das Leben ausserhalb, seinen evolutionären Lauf genommen hat. Denn nach dem die Dinosaurier ausstarben, durch Meteoriten, entstand auch wieder etwas Neues, „die Menschen“. So hält Clov den Schlüssel zur Zukunft in seiner Hand und es ist eine Frage der Zeit, ob und wann er ihn benutzen wird. Schliesslich ergibt sich Hamm in sein Schicksal und akzeptiert das Unvermeidliche. Hamm gibt sich in einem finalen Monolog seinen Erinnerungen und in Selbst bedauern hin, Clov wartet unbeweglich, bereit zu gehen. Als der Vorhang fällt, ist es soweit Clov kann gehen, um neues zu Endecken und mit der Hoffnung aus alten Fehlern gelernt zu haben, bis zum nächsten Ende.

Beckett möge uns, unsere provokative Phantasie, Kreativität und Sichtweise verzeihen und trotz dramaturgischen Faden, bleibt das Spiel und der Dialog absurd ......